Theater bei UnArt am 04.03. und 11.03.2011

2011-03-04_villon_bild_1klein „VEREHRT UND ANGESPIEN!“

DAS TESTAMENT DES FRANÇOIS VILLON

MIT CARSTEN BÜLOW
REGIE: STEFAN SCHROEDER

PREMIERE AM 4. MÄRZ 2011
UM 20 UHR IN DER GALERIE UNART
BERGHOFER STR. 203 – 44269 DORTMUND
ZUGANG HINTERHOF BERGHOFER STR. 201
ODER HIRSCHWEG 15

WEITERE VORSTELLUNG AM 11. MÄRZ 2011

 

François Villon ist einer der außergewöhnlichsten Dichter der Literaturgeschichte. Aufgewachsen im 15. Jahrhundert als Pflegesohn eines Kirchenmanns, studiert Villon an der Pariser Universität, die er später um einige Tausend Francs erleichtert. Unter Landstreichern und Verbrechern ist der begnadete Poet ebenso zu Hause wie bei Herzögen und Fürsten. Die einen beeindruckt er durch seine Balladen, die anderen durch seine Kühnheit, beide durch seine Frechheit und respektlos lose Zunge.

Doch nirgendwo hält es den Rastlosen lang. Als ein Hin- und Hergerissener zwischen den Welten durchblickt er die Falschheit und den Opportunismus, die fehlende Verlässlichkeit und den Verfall der Werte. Doch er ist auch selbstherrlich, arrogant und eigensinnig, wechselt die Betten wie die Verse. Villons Balladen sind drastisch und verdorben, unverschämt und ehrlich. Die Dichtung ist seine Waffe gegen die Gesellschaft und den Zustand der Welt, die er verachtet und ohne die er nicht wäre, was er ist. Villon übt Rache, klagt an und verurteilt, schreibt noch aus der Todeszelle eine Ballade an den König – und wird begnadigt. Seine letzten Lebensjahre verbringt Villon in der Verbannung – und verfasst mit seinem Hauptwerk „Das große Testament“ eine ungeschönte, pointierte Abrechnung mit seiner Zeit und seinen Zeitgenossen.

Carsten Bülow verkörpert François Villon in einer Inszenierung von Stefan Schroeder.

Carsten Bülow steht seit 30 Jahren als Rezitator, Darsteller und Musiker auf der Bühne, seine Stimme setzt er zudem als Synchronsprecher ein. Zu seinem Bühnenrepertoire gehören Texte von Tucholsky, Storm, Poe, Dickens, Kafka, Goethe u.v.a.

Carsten Bülow hat als Anstreicher, Verkäufer, Schallplattenhändler, Bierkutscher, Kellner, Wirt und Altenpfleger gearbeitet. Von 2001-2010 war er als Souffleur und Darsteller am Theater Dortmund engagiert, wo er unter eigener Regie u.a. sein „Faust“- und sein Dickens-Programm mit großem Erfolg auf der Bühne präsentierte.

Stefan Schroeder ist Autor, Dramaturg, Regisseur und Dozent. Er studierte Theaterwissenschaft, Germanistik und Anglistik und war von 2001-2010 als Dramaturg am Theater Dortmund engagiert. Seit 2006 unterrichtet er an der Fakultät Kulturwissenschaften der Universität Dortmund. Stefan Schroeder hat über zwanzig Theaterstücke veröffentlicht, führte u.a. am Schauspiel Dortmund, am Wuppertaler Kinder- und Jugendtheater und an verschiedenen Theatern der freien Szene Regie.

FRANÇOIS VILLON

François Villon kommt 1431 in Paris zur Welt. Aufgezogen wird er von Pater Guillaume de Villon, in dessen Obhut man ihn schon als kleines Kind gegeben hat. Ein Studium an der Pariser Universität bricht er aus unbekannten Gründen ab, gleitet ins Verbrechermilieu ab und schließt sich den in ganz Nordfrankreich gefürchteten kriminellen Banden der „Coquillards“ an. Einem Priester fügt er im Streit eine tödliche Wunde zu, beraubt als Kopf einer Bande seine frühere Universität und sitzt mehrfach in Haft, sogar in der Todeszelle. Andererseits erarbeitet sich Villon mit seinen respektlosen und messerscharf zeitkritischen Gedichten den Ruf des bedeutendsten Dichters des französischen Spätmittelalters: Seine Dichtung beeindruckt so sehr, dass er immer wieder als gern gesehener Gast und „Hofdichter“ an französischen Fürstenhöfen logiert. Legendär sind auch Villons Frauengeschichten, die Einzug in seine Balladen finden.

Francois Villon führt ein beispielloses Leben zwischen den Welten – dem kriminellen Milieu auf der einen, der „gehobenen Gesellschaft“ auf der anderen Seite. Dieses Doppelleben versetzt ihn in die Lage, seine Zeit komplexer und kritischer zu erfassen und zu reflektieren, als viele der Zeitgenossen, die ihm begegnen. Villon durchblickt die Falschheit und den Opportunismus, die fehlende Verlässlichkeit und den Mangel an Werten, versteht es aber auch durchaus, selbst seinen eigenen Vorteil zu finden und zu nutzen.

Villon wird geprägt von einer starke innere Unruhe, einer seltsamen Unfähigkeit, sesshaft zu sein, einem gehetzten, manchmal ängstlichen, mitunter jedoch geradezu fatalistischer Charakter. Er ist erfahren und wissend, manchmal deprimiert und stets hart im Nehmen. Sein Panzer gegen den Zustand der Welt ist seine beispiellose Respektlosigkeit und Frechheit, die Drastik seines Ausdrucks und die bedingungslose Ehrlichkeit in seinen Worten, auch zu seinem eigenen Schaden. Er benutzt seine einzigartige Fähigkeit, die Dichtung, als Waffe gegen die Gesellschaft und den Zustand der Welt, er übt Rache (in seinem Werk „Das große Testament“) und klagt an (in seiner Ballade „Die Lästerzungen“). Am Ende seines Lebens stehen bittere Erkenntnis, Reife und selbstquälerische Reflexion.

Der oberste Pariser Gerichtshof hebt 1463 das Todesurteil gegen ihn auf, wandelt es aber „wegen des schlimmen Lebenswandels besagten Villons“ um in die Verbannung aus der Stadt und der Grafschaft Paris. Villon muss mitten im Winter und praktisch vogelfrei die Stadt verlassen. Seitdem sind keine verlässlichen Zeugnisse von ihm oder über ihn mehr bekannt.

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